den Chiemsee-Ausflug am 24.09.2011
zeigt am besten die Kolumne von Franz von Gartenberg:

auch zu finden unter
http://gartenberg.jimdo.com

Götterdämmerung für 10 Erwachsene + 1 Kind


Seltsamter Titel denkst Du? Naja, nicht ganz zu unrecht, wie ich später in dieser Kolumne erklären werde. Ich sag nur: "Marillenknödel"

Aber zunächst mal der Reihe nach. Es war mehr als königliches Wetter, es war Kaiserwetter an diesem Samstag im September. Während cirka 454.032 Menschen auf die "Wiesn" gefahren sind, haben wir die entgegengesetzte Richtung gewählt und sind zur "Götterdämmerung", der Landesausstellung zu Ehren König Ludwigs auf die Herreninsel an den schönen Chiemsee gefahren. Allerdings waren wir nicht alleine. Cirka 50.332 Leute hatten die gleiche Idee, was aber nicht soooooo hektisch war, wie wir gedacht haben.

Am Bahnhof in Tölz erschien die BOB pünktlicher als man es von der Bahn gewohnt ist und so starteten wir als Richtung.... ja, welche Richtung eigentlich? Südosten, wenn ich mich nicht irre, nachdem mit der fliegende Maulwurf vorab eine kleine Kunde in Himmelsrichtungen und deren Bedeutung gegeben hat. Danke, jetzt weiß ich Bescheid, Schätzelein.

Das dürfte zweifelsohne das Foto des Tages sein. Martin bei seiner Lieblingstätigkeit, Bananen lutschen - äh - essen, natürlich. Ja, Brotzeit muss sein, schließlich dauerte die Bayernreise inklusive 3 x umsteigen ja doch...... lange!

Nachdem wir dann schließlich alle unsere Vorräte aufgefressen hatten, starteten wir in Prien dann mit der Holzklassebahn ohne Federung über harte Weichen an den schönen Schiemsee, um dort auf unsere grosse Yacht umzusteigen. Natürlich haben wir vorher mit dem Kapitän gesprochen, dass er bitte äußerst umsichtig, weitsichtig und am Besten durchsichtig fährt, da ja gestern noch eine Anschlagsdrohung aus dem westlichen Landkreis bei mir einging. Ja, man(n) wollte mit einem Araschfarbenen Schlauch- oder Unterseeboot unsere dicke Yacht mit dem Namen "MS Berta" torpedieren, während wir auf die Insel übersetzen.

Gottlob ist nichts geschehen, wir hatten ruhige See, klare Sicht, 2 Beaufort und 20 cm Welle, wie es im Seemannsdeutsch so schön heißt. Natürlich hat unser "Kind" Martin auf der Seereise wieder mal eines von zahllosen Opfern seiner Begierden entdeckt und gaaanz unverbindlich in ein Gespräch verwickelt. Beiläufig erwähnt sei noch, dass derjenige vermutlich der Sohn des Gastronomen ist, der in der Schloßwirtschaft der Insel schon mal Juniorchef übt. Wenn Martin dort einheiratet, bekommen wir sicherlich Rabatt auf der dicken "MS Berta", auf der Chiemseebahn und natürlich im Schloßhotel.

Achja, desweiteren erwähne ich am Rande, dass in diesem Gastronomiebetrieb ein Servicepersonal vom allerfeinsten beschäftigt ist!!! Holla die Waldfee sag ich da nur oder anders ausgedrückt: "Da hauts da doch an Vogel naus, Kruzeef.. " Mehr sog i ned. Jedenfalls war ich standepedes "in Love", wenn ich's (oh, Wort mit Deppenapostroph) mal so ausdrücken darf. Aber ich komm schon wieder weit vom Thema ab. Jedenfalls standen sehr leckere Dinge da rum, ich meine auf der Speisekarte. Marillenknödel zum Beispiel.... Da unser Zeitplan aber einem gewissen Schema unterlag, blieb da keine Zeit mehr für Nachtisch. Denn nehmen wir auf dem Rückweg, dachten wir mehrheitlich.

Also machten wir uns dann doch endlich auf den Weg zur Ausstellung ins Schloß inklusive der extra für 14:00 Uhr bestellten Schloßführung. Dieses Schloß ist schon eine Augenweide. Da ja lediglich 20 der geplanten 70 Zimmer fertig wurden, ehe dem König das Geld gestrichen wurde oder sagt man - ausgegangen ist? - bin ich immer wieder überrascht, wenn ich diesen Glanz und Gloria sehe. Tief beeindruckt bin ich immer wieder vom Spiegelsaal im "bayrischen Versailles", in welchem jedes Jahr auch einige Veranstaltungen stattfinden. Irgendwann werd ich mal eine besuchen, versprech ich mir persönlich.
Große Diskussionsthemen an diesem sonnigen Ausflugstag beherrschten unsere Königstruppe. Zum Beispiel suchten wir vergebens nach der Auflösung des Rätsels, das uns ein junger Mann mit lilafarbenen Halstuch geliefert hat. Das Rätsel, das sich uns da stellte, war: Was bedeutet der Hanky-code Lila? Trotz IPhone gelang es uns nicht, diese Frage zu beantworten. Lediglich Vermutungen wurden in den Raum gestellt: Es könnte bedeuten, daß derjenige alle 4 Wochen mit der Emanze Alize Schwarzer schläft, oder so.....

Die Aufgabe des Tages hat keiner richtig ausgeführt. So elegant aus dem Handgelenk zu winken, wie die Königinnen das schon seit Jahren praktizieren, egal ob sie von der Kutsche oder aus dem Maybach winken. Das Drehschüttelwinken mit leicht angewinkeltem Handgelenk werden wir wohl noch etwas üben müssen.


Dieses Foto mit einem nölenden Kind wurde nach der Landesausstellung aufgenommen. Die doch eher anstrengende Ausstellung musste mit einem Kaffee abgeschlossen werden. Als wir so vor dem Schloß saßen, um unseren Kaffee zu genießen (mit königlichem Preis), meinte doch da jemand: "Ich will aber ins Schloßhotel, weil ich da Marillenknödel vom Juniorchef haben will...." Das hätte allerdings unseren Zeitplan aus den Schienen geschmissen. Auch Fünfmaliges Nölen half nix, unser "Kind" bekam seine Marillenknödel nicht! Manchmal müssen Eltern einfach Nein sagen, jetzt kann ich das auch nachvollziehen.


Die Landesausstellung selber hat mich eher ein wenig enttäuscht. Es wurden mehr oder minder nur die Klischees des Königs nochmals dargestellt und untermalt. Daß König Ludwig II sehr liberal, technikbegeistert und sensibel war, übergeht man eigentlich. Ebenso, daß er ein großes Faible für Süßigkeiten hatte und deshalb wohl unter chronischer Parodontitis litt. Zudem finde ich die Ausstellungsräume schlecht beleuchtet und belüftet, aber: Ja mei, man konn ned ois homm. Erschütternd finde ich auch diese Kommerzialisierung, die rund herum abläuft. Wenn Ludwig das sehen würde, er würde sofort tot umfallen, nehm ich fast mal an.

Ich will mich jetzt nicht an den Sagen, Legenden und Mysterien über das Leben des "Mondkönigs" beteiligen, sicher ist für mich nur eines: Der Kini war ein außergewöhnlicher Mensch mit außergewöhnlicher Phantasie. Lassen wir ihn in Frieden ruhen und sind dankbar für die schönen Dinge, die er uns hinterlassen hat.

Die schöne SMS, die ich dankenswerterweise von Peter nach diesem Besuch seines Schlosses bekam, will ich aber doch noch loswerden:

...zum dritten Mal tat ich mir's an, König Ludwigs Abgesang.
"Götterdämmerung" auf Herrenchiemsee, Ludwigelei wo ich auch hinseh.
Damen kommen an im Dirndl, Trachtler haben schon eins im Birndl.
Amis und Japaner - Italiener und Koreaner,
T-Shirts, Jeans und Sandaletten, mit und ohne Zigaretten.
Armer Ludwig, rotierst im Grab, bei dieser Touri-Massen-Plag.!
Schade um dich Frühgebornen, heut wärst Du nicht verloren.
OK, heut wärst Du kein König, doch Männer hättst du heut nicht wenig.
Und Wagner hören wär keine Schand, das machen Tausende im Land.
Die Technik stünd Dir zur Verfügung, viel mehr als damals mit Vergütung.
Deine Zähne könnt man heilen, müssest nicht im Schloß verweilen.
Gern träum ich mit dir den Traum, vom Männerglück im Alpenraum.
Du bist mir doch ganz nah verwandt, du König über diesem Land.


In diesem Sinne: Lieber Kini, schön, daß Du da warst.


So, und zum krönenden Abschluß ein Danke an alle, die mitgemacht haben und hier die lustigen Bilder und das Video (v. Camillo Lopez) von unserem Schutz eV Ausflug:

 

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