Götterdämmerung
für 10 Erwachsene + 1 Kind

Seltsamter Titel denkst Du? Naja, nicht ganz zu unrecht,
wie ich später in dieser Kolumne erklären werde. Ich
sag nur: "Marillenknödel"
Aber zunächst mal der Reihe nach. Es war mehr als
königliches Wetter, es war Kaiserwetter an diesem
Samstag im September. Während cirka 454.032 Menschen auf
die "Wiesn" gefahren sind, haben wir die
entgegengesetzte Richtung gewählt und sind zur
"Götterdämmerung", der Landesausstellung zu
Ehren König Ludwigs auf die Herreninsel an den schönen
Chiemsee gefahren. Allerdings waren wir nicht alleine.
Cirka 50.332 Leute hatten die gleiche Idee, was aber
nicht soooooo hektisch war, wie wir gedacht haben.
Am Bahnhof in Tölz erschien die BOB pünktlicher als man
es von der Bahn gewohnt ist und so starteten wir als
Richtung.... ja, welche Richtung eigentlich? Südosten,
wenn ich mich nicht irre, nachdem mit der fliegende
Maulwurf vorab eine kleine Kunde in Himmelsrichtungen und
deren Bedeutung gegeben hat. Danke, jetzt weiß ich
Bescheid, Schätzelein.
Das
dürfte zweifelsohne das Foto des Tages sein. Martin bei
seiner Lieblingstätigkeit, Bananen lutschen - äh -
essen, natürlich. Ja, Brotzeit muss sein, schließlich
dauerte die Bayernreise inklusive 3 x umsteigen ja
doch...... lange!
Nachdem wir dann schließlich alle unsere Vorräte
aufgefressen hatten, starteten wir in Prien dann mit der
Holzklassebahn ohne Federung über harte Weichen an den
schönen Schiemsee, um dort auf unsere grosse Yacht
umzusteigen. Natürlich haben wir vorher mit dem Kapitän
gesprochen, dass er bitte äußerst umsichtig,
weitsichtig und am Besten durchsichtig fährt, da ja
gestern noch eine Anschlagsdrohung aus dem westlichen
Landkreis bei mir einging. Ja, man(n) wollte mit einem
Araschfarbenen Schlauch- oder Unterseeboot unsere dicke
Yacht mit dem Namen "MS Berta" torpedieren,
während wir auf die Insel übersetzen.
Gottlob ist nichts geschehen, wir hatten
ruhige See, klare Sicht, 2 Beaufort und 20 cm Welle, wie
es im Seemannsdeutsch so schön heißt. Natürlich hat
unser "Kind" Martin auf der Seereise wieder mal
eines von zahllosen Opfern seiner Begierden entdeckt und
gaaanz unverbindlich in ein Gespräch verwickelt.
Beiläufig erwähnt sei noch, dass derjenige vermutlich
der Sohn des Gastronomen ist, der in der
Schloßwirtschaft der Insel schon mal Juniorchef übt.
Wenn Martin dort einheiratet, bekommen wir sicherlich
Rabatt auf der dicken "MS Berta", auf der
Chiemseebahn und natürlich im Schloßhotel.
Achja, desweiteren erwähne ich am Rande, dass in diesem
Gastronomiebetrieb ein Servicepersonal vom allerfeinsten
beschäftigt ist!!! Holla die Waldfee sag ich da nur oder
anders ausgedrückt: "Da hauts da doch an Vogel
naus, Kruzeef.. " Mehr sog i ned. Jedenfalls war ich
standepedes "in Love", wenn ich's (oh, Wort mit
Deppenapostroph) mal so ausdrücken darf. Aber ich komm
schon wieder weit vom Thema ab. Jedenfalls standen sehr
leckere Dinge da rum, ich meine auf der Speisekarte.
Marillenknödel zum Beispiel.... Da unser Zeitplan aber
einem gewissen Schema unterlag, blieb da keine Zeit mehr
für Nachtisch. Denn nehmen wir auf dem Rückweg, dachten
wir mehrheitlich.
Also machten wir uns dann doch endlich auf
den Weg zur Ausstellung ins Schloß inklusive der extra
für 14:00 Uhr bestellten Schloßführung. Dieses Schloß
ist schon eine Augenweide. Da ja lediglich 20 der
geplanten 70 Zimmer fertig wurden, ehe dem König das
Geld gestrichen wurde oder sagt man - ausgegangen ist? -
bin ich immer wieder überrascht, wenn ich diesen Glanz
und Gloria sehe. Tief beeindruckt bin ich immer wieder
vom Spiegelsaal im "bayrischen Versailles", in
welchem jedes Jahr auch einige Veranstaltungen
stattfinden. Irgendwann werd ich mal eine besuchen,
versprech ich mir persönlich.
Große Diskussionsthemen an diesem sonnigen Ausflugstag
beherrschten unsere Königstruppe. Zum Beispiel suchten
wir vergebens nach der Auflösung des Rätsels, das uns
ein junger Mann mit lilafarbenen Halstuch geliefert hat.
Das Rätsel, das sich uns da stellte, war: Was bedeutet
der Hanky-code Lila? Trotz IPhone gelang es uns nicht,
diese Frage zu beantworten. Lediglich Vermutungen wurden
in den Raum gestellt: Es könnte bedeuten, daß derjenige
alle 4 Wochen mit der Emanze Alize Schwarzer schläft,
oder so.....
Die Aufgabe des Tages hat keiner richtig ausgeführt. So
elegant aus dem Handgelenk zu winken, wie die Königinnen
das schon seit Jahren praktizieren, egal ob sie von der
Kutsche oder aus dem Maybach winken. Das
Drehschüttelwinken mit leicht angewinkeltem Handgelenk
werden wir wohl noch etwas üben müssen.
Dieses Foto mit einem nölenden Kind wurde
nach der Landesausstellung aufgenommen. Die doch eher
anstrengende Ausstellung musste mit einem Kaffee
abgeschlossen werden. Als wir so vor dem Schloß saßen,
um unseren Kaffee zu genießen (mit königlichem Preis),
meinte doch da jemand: "Ich will aber ins
Schloßhotel, weil ich da Marillenknödel vom Juniorchef
haben will...." Das hätte allerdings unseren
Zeitplan aus den Schienen geschmissen. Auch Fünfmaliges
Nölen half nix, unser "Kind" bekam seine
Marillenknödel nicht! Manchmal müssen Eltern einfach
Nein sagen, jetzt kann ich das auch nachvollziehen.
Die Landesausstellung selber hat mich eher ein wenig
enttäuscht. Es wurden mehr oder minder nur die Klischees
des Königs nochmals dargestellt und untermalt. Daß
König Ludwig II sehr liberal, technikbegeistert und
sensibel war, übergeht man eigentlich. Ebenso, daß er
ein großes Faible für Süßigkeiten hatte und deshalb
wohl unter chronischer Parodontitis litt. Zudem finde ich
die Ausstellungsräume schlecht beleuchtet und belüftet,
aber: Ja mei, man konn ned ois homm. Erschütternd finde
ich auch diese Kommerzialisierung, die rund herum
abläuft. Wenn Ludwig das sehen würde, er würde sofort
tot umfallen, nehm ich fast mal an.
Ich will mich jetzt nicht an den Sagen, Legenden und
Mysterien über das Leben des "Mondkönigs"
beteiligen, sicher ist für mich nur eines: Der Kini war
ein außergewöhnlicher Mensch mit außergewöhnlicher
Phantasie. Lassen wir ihn in Frieden ruhen und sind
dankbar für die schönen Dinge, die er uns hinterlassen
hat.
Die schöne SMS, die ich dankenswerterweise von Peter
nach diesem Besuch seines Schlosses bekam, will ich aber
doch noch loswerden:
...zum dritten Mal tat ich mir's an, König Ludwigs
Abgesang.
"Götterdämmerung" auf Herrenchiemsee,
Ludwigelei wo ich auch hinseh.
Damen kommen an im Dirndl, Trachtler haben schon eins im
Birndl.
Amis und Japaner - Italiener und Koreaner,
T-Shirts, Jeans und Sandaletten, mit und ohne Zigaretten.
Armer Ludwig, rotierst im Grab, bei dieser
Touri-Massen-Plag.!
Schade um dich Frühgebornen, heut wärst Du nicht
verloren.
OK, heut wärst Du kein König, doch Männer hättst du
heut nicht wenig.
Und Wagner hören wär keine Schand, das machen Tausende
im Land.
Die Technik stünd Dir zur Verfügung, viel mehr als
damals mit Vergütung.
Deine Zähne könnt man heilen, müssest nicht im Schloß
verweilen.
Gern träum ich mit dir den Traum, vom Männerglück im
Alpenraum.
Du bist mir doch ganz nah verwandt, du König über
diesem Land.
In diesem Sinne: Lieber Kini, schön, daß Du da warst.
So, und zum krönenden Abschluß ein Danke an alle, die
mitgemacht haben und hier die lustigen Bilder und das
Video (v. Camillo Lopez) von unserem Schutz eV Ausflug:
|